RAILWAY – Hochgewschwindigkeits-Lärmschutz
Lärmschutz ist mehr als Technik. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe – und eine Frage, wie wir Mobilität mit Lebensqualität vereinbaren wollen. Andreas Held, Geschäftsführer bei R. KOHLHAUER GmbH und verantwortlich für das Projekt RAILWAY, spricht über die Mobilitätswende in Europa, über Planungskultur und darüber, was er sich von der Infrastrukturpolitik der nächsten Jahrzehnte erhofft.
Frage: Herr Held, Lärmschutz klingt nach einem sehr technischen Thema. Ist es das?
Technisch ist es definitiv. Aber im Kern geht es um etwas viel Grundlegenderes: um das Recht der Menschen, in ihrer eigenen Wohnung schlafen zu können. Um die Frage, ob wir Mobilität als Gemeinschaftsgut organisieren wollen – oder als Privileg, das auf Kosten anderer erkauft wird.
Jede Hochgeschwindigkeitsstrecke, die gebaut wird, verändert die Lebensbedingungen der Menschen entlang dieser Strecke. Die Frage ist: wollen wir das gestalten, oder wollen wir es nur passieren lassen? Wir sind hier, um es zu gestalten.
Frage: Wie verändert der Boom der Hochgeschwindigkeitsbahn die Anforderungen an Ihren Markt?
Fundamental. Europa hat erkannt, dass die Bahn die Antwort auf viele Mobilitätsfragen der Zukunft ist – schneller, klimafreundlicher, effizienter als Auto oder Kurzstreckenflug. Das bedeutet: mehr Strecken, höhere Geschwindigkeiten, engere Taktfolgen.
Und das bedeutet wiederum: der Lärmschutz muss mithalten. Was noch vor zehn Jahren als ausreichend galt, ist heute der Mindeststandard. RAILWAY ist unsere Antwort auf diesen Wandel – nicht die Antwort auf eine aktuelle Ausschreibung, sondern die Antwort auf einen strukturellen Shift im europäischen Infrastrukturmarkt.
Frage: Sie sprechen von einem strukturellen Shift. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Die größte Herausforderung ist die Planungskultur. Lärmschutz wird in vielen Projekten noch immer als nachgelagerte Maßnahme betrachtet – erst wird die Strecke geplant, dann schaut man, wo man die Wände hinstellt.
Das ist falsch. Lärmschutz muss von der ersten Stunde an Teil der Planung sein. Er beeinflusst die Statik der Brücken, das Erscheinungsbild der Strecke, die Akzeptanz der Bevölkerung. Wer das am Ende denkt, zahlt mehr und bekommt weniger.
Hier sehe ich eine der wichtigsten Aufgaben, die wir als Branche haben: Planungsbüros und Auftraggeber früher ins Gespräch zu holen.
Frage: Was bedeutet Nachhaltigkeit für KOHLHAUER – konkret, nicht als Schlagwort?
Konkret bedeutet es: 60 Jahre Lebensdauer. Das ist keine Marketingaussage – das ist ein Prüfergebnis. Ein System, das 60 Jahre hält, muss nicht ersetzt werden. Es produziert keinen Abfall, verbraucht keine Energie für Neuproduktion, belastet die Infrastruktur nicht mit Umbauarbeiten.
Wir haben außerdem auf Recyclingfähigkeit geachtet: Aluminium ist nahezu vollständig wiederverwertbar. EPDM kann zurückgenommen und wiederverwendet werden. Das sind keine Zufälle – das sind Designentscheidungen.
Und wir gehen noch weiter: Mit KOHLHAUER VOLTA entwickeln wir Lärmschutzwände, die gleichzeitig Solarstrom erzeugen. Lärmschutz als Energiequelle – das ist die Zukunft.
Frage: Was wünschen Sie sich von der europäischen Infrastrukturpolitik?
Mut zu Langfristigkeit. Infrastruktur ist keine kurzfristige Investition – sie ist eine Entscheidung für Generationen. Wenn wir heute eine Hochgeschwindigkeitsstrecke bauen, dann muss der Lärmschutz daran in 30 Jahren noch genauso funktionieren wie heute. Dafür braucht es Standards, die das verlangen – und nicht Ausschreibungen, die allein nach dem günstigsten Preis entscheiden.
Qualität kostet manchmal mehr im Einkauf. Aber sie kostet deutlich weniger im Betrieb. Das ist eine Rechnung, die Europa verstehen muss – und ich glaube, sie beginnt es zu verstehen.
Jede Strecke verändert das Leben der Menschen entlang ihrer Route. Die Frage ist: wollen wir das gestalten – oder nur passieren lassen?




